RP ONLINE // Wenn die Kettensäge als Taschenmesser dient

Erlkoenig Carving

Mönchengladbach.

Beim „Carving“ entstehen Schnitzarbeiten nicht mit dem Messer, sondern unter lautem Motorengeheul. Im Hardter Wald sägten acht Anfänger jetzt kunstvolle Figuren vom Schlumpf bis zum Rübezahl.

Erlkoenig Carving

Schnitzen mit der Kettensäge in Mönchengladbach

Von Johanna Bieger
Kettensägen-Geheul tut der Kreativität anscheinend keinen Abbruch. Denn die Figuren, die aus unscheinbaren Baumstämmen entstehen, sind vielfältig: ein Stuhl, Rübezahl oder ein Tannenbaum – die Möglichkeiten für den ambitionierten Kettensägen-Holzschnitzer erscheinen grenzenlos.

Schnitzen mit der Kettensäge? Ja, genau das. Acht Teilnehmer versuchen sich am frühen Samstagmorgen bei einem so genannten Carving-Kurs im Hardter Wald an der überraschend feinen und präzisen Kunstform. Mit viel Geschick und Gefühl lässt sich dabei ein Baumstamm zu einer Figur oder einem Gegenstand bearbeiten. Ein selbstgewähltes Motiv als Statue im Zimmer? Das ist für viele anscheinend der Antrieb, an diesem langen Tag des Werkens.

Vor vier Monaten kam Jörg Florenz, Inhaber der Firma Erlkönig Design, die Idee, auch unerfahrenen Privatleuten die Arbeitsform des Holzdesigns näherzubringen. In Zusammenarbeit mit der Gaststätte Fuchsbau, die Getränke und Essen stellt, findet seitdem in regelmäßigen Abständen eintägige Carving-Kurse statt. „Schutzkleidung und Arbeitsmaterialien stellen wir zu Verfügung. Nach einer Sicherheitseinführung können dann auch diejenigen Leute mit Kettensäge schneiden, die davor noch nie eine in der Hand gehalten haben“, sagt Florenz.

Das ist aber trotzdem gar nicht so einfach, wie Verena Amtstätter jetzt weiß. Während andere bereits schneiden, ist sie immer noch ist sie auf der Suche nach dem geeigneten Motiv, das den Garten einer Freundin verschönern soll: „Ich muss noch ein Gefühl für die Säge entwickeln, im Moment ist das alles noch sehr grob.“

Erlkoenig Carving

Verena Amtstätter entschied sich für einen Fisch als Motiv für ihre Schnitzarbeit. Sie will damit den Garten einer Freundin verschönern.

Mitgemacht hat sie, um Spaß und Kreativität bei der Arbeit mit Holz ausleben. Sie entscheidet sie schließlich gegen den anspruchsvollen Bienenstock – und für den etwas „glatteren“ Fisch. Nachdem der Stamm glatt und von Rinde befreit ist, wird dieser als Skizze auf das Holz gezeichnet. Die Kettensäge schneidet dann das restliche Holz ab.

„Die Frauen schneiden vielleicht ein kleines bisschen gröber“, sagt Jürgen Grün, der auch im Beruf mit der Kettensäge arbeitet. „Aber sie haben meistens die besseren Ideen als die Männer.“ Auch er hat seine Vision vom stolzen Seeadler zugunsten einer pragmatischen Rübezahl-Figur verworfen. Seine Frau hat ihn auf den Carving-Kurs aufmerksam gemacht. Er hat kurzerhand seinen Schwiegersohn mitgebracht, der seine Vorlage ausführlich im Handy studiert. „Es soll ein Schlumpf werden, für meine Tochter“, sagt Rouven Kiparra.

Schon stürzen sich alle wieder in die Arbeit, denn bis Sonnenuntergang soll der Baumstamm im besten Fall Gestalt angenommen haben. Alle anderen müssten dann zu Hause fertiggestellt werden. Aber die Teilnehmer wissen ja jetzt, wie das geht.

QUELLE: RP-ONLINE Von Johanna Bieger  – Artikel finden Sie hier
FOTO: Isabella Raupold – Bilderserie finden Sie hier

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